
20., Nordwestbahnhof Bauplatz 4
Bauträger: Familienwohnbau
Architektur: Untertrifaller Architekten
Landschaftsplaner: YEWO
Soziale Nachhaltigkeit: art:phalanx
Wohneinheiten: 136
Geschäftslokale: 8
Bezugstermin: Frühjahr 2029
Die folgenden Inhalte zeigen, was das Team des Siegerprojekts für den Bauträgerwettbewerb eingereicht hat – insbesondere zum Schwerpunktthema "Planung nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien".
Quellen (sofern nicht anders angeführt): Auszüge aus den Einreichunterlagen
… denkt von Innen nach Außen und entwickelt sich aus der Vielfalt seiner Nutzenden - generations-, kultur- und milieuübergreifend, indem es für übersichtliche Nachbarschaften und vielfältige Wohnszenarien sorgt.
... verschiebt wohl überlegt die Grenzen vom Eigenen zum Gemeinsamen, indem es sparsam mit dem Privaten und großzügig mit dem Geteilten umgeht, es fördert, es zelebriert.
… teilt gern und stellt den Schulhof nach Außen - dem öffentlichen Raum zugewandt - und den Nachbarschaftsgarten nach Innen - dem Wohnquartier zugehörig - zur offenen Nutzung.
… kennt die Herausforderungen der Zeit in- und auswendig und agiert daher absolut zirkulär und ökologisch, verwendet Bestehendes und will für das Kommende zur Materialbank werden.
... agiert von innen und außen sichtbar mit seinem Holzskelett und verkörpert so seine Bereitschaft für vielfältige Veränderungen in seinen Nutzungen und Lebenszyklen.
… lässt seine Innenräume in die Außenbereiche fließen, die sich über unterschiedlichste Grünschichten – Loggientröge, Hofbegrünungen und Sockelspaliere – verzahnen.
… leitet behutsam kühle Luft von Außen nach Innen, indem die offenen Geschosshöfe als Frischluftschneisen fungieren, sich alle Einheiten zu den atmenden Höfen ausrichten und die Fassade eine grüne mikroklimatische Außenhaut bildet.

Die Kreislauffähigkeit von unseren Gebäuden möchten wir zwischen den zwei Polen der Nutzungsflexibilität und der Konstruktionsflexibilität aufspannen. Wir wollen unsere Gebäude so errichten, dass sie unterschiedliche Nutzungen in ihrer langlebigen und nutzungsneutralen Grundstruktur aufnehmen können.
Wenn diese nutzungsspezifische Flexibilität erschöpft ist, möchten wir auf die konstruktive Flexibilität setzen und unsere Gebäude in ihre Bestandteile komplett zerlegen können. Begriffe, wie Abfall oder Müll sollen in diesem Szenario nicht mehr vorkommen. Die neuerrichteten Gebäude sollen somit zu Materiallager für zukünftige Bauten und Bedürfnisse werden.
Die Hauptmaßnahmen der Kreislaufwirtschaft haben wir in 8 ZiFa-Kategorien zusammengefasst:
1) Verbaute Materialien:
Wiederverwenden von Sekundärbauteilen. Im Stadtsockel, der die Schule, gewerbliche Nutzungen sowie Gemeinschaftsräume beherbergt, wollen wir Sekundärmaterial wiederverwenden. Ob es die Fassadenelemente des ehemaligen Biologie-Zentrums in der Althanstraße sind oder Parkettböden aus dem Rektorat der ehemaligen Wirtschaftsuniversität (UZA 1, Augasse 2-6) – die Geschichte der Elemente fördert den Diskurs über unsere Stadt als urbane Mine. Wir nutzen die Materialien nicht nur als gestalterische Elemente. So ist es uns gelungen die Zusage zu erhalten, aus dem großen Möbelfundus der Universitäten am Althangrund, in Kooperation mit dem Designstudio JoyJoy, neue nutzbare Möbel im Zuge von Workshops während der Besiedlung für die Gemeinschaftsräume zu schaffen. Die fördert gleichermaßen die Identifizierung mit den Räumen und die Gemeinschaft der Bewohner:innen.
Verwendung von Recyclingmaterial. Die Primärkonstruktion der Unter- und Sockelgeschosse werden wir aus emissionsreduziertem RC-Beton mit klinkerreduzierter Rezeptur umsetzen.
Materialen mit minimaler Umweltauswirkung. Wir setzen Holz als nachwachsenden Baustoff in einer maximalen Auswahl der Konstruktionen: nicht nur in der Primärkonstruktion, sondern auch in den vorgefertigten Fassadenelementen, Fassadenhaut und Innenwänden ein. Das Skelett-, Rahmen- und Riegelbauweisen sorgen für einen möglichst querschnittoptimierten und ressourcenschonen Einsatz von diesem Material.
In der restlichen Gesamtkonstruktion wird großer Wert auf Materialien gelegt, die über einen geringen oder reduzierten ökologischen Fußabdruck verfügen. So kommt Stroh als Dämmung der Außenwände, Schafswolle als Dämmung der Innenwände, Lehmbauplatten als Verkleidung der Innenwände, Lehmputz als fertige Oberfläche im Stadtsockel und der ökologische Bodenbelag Linoleum zum Einsatz.
2) Ökobilanzierung
Wir erstellen bereits in der Phase 2 des Wettbewerbs unseren Digitalen Zwilling und nutzen ihn dafür, eine Ökobilanzierung der verwendeten Baustoffe anzufertigen. Somit wird die Aufstellung einer daraus resultierenden Materialdatenbank und ein konsistenter Kreislauf samt Dokumentation der verbauten Materialien möglich.
3) Nutzungsintensität
Belegungsdichteverhältnis. Der sparsame Umgang mit der privaten Nutzfläche und Herausarbeiten des Gemeinsamen führt zu einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von ca. 65 qm nicht nur bei SMART-Einheiten, sondern über alle Wohnungen gerechnet. Auch die Unterbringung der FREE PEOPLE SCHOOL für 120 Schüler:innen und bis zu 10 Lehrende und Versorgende in unserem Stadtsockel belegt die Erdgeschossflächen intensiver als übliche gewerbliche Nutzung. Verbessert wird das hohe Belegungsdichteverhältnis nicht zuletzt durch die hohe Anzahl an Garconnieren im 1.Obergeschoss.
Flächeneffizienzverhältnis. Die Typologie der in unserem Fall sehr luftigen Laubengangerschließung zeichnet sich grundsätzlich nicht durch ein besonders gutes Verhältnis der Wohnnutzflächen zu den Erschließungsflächen, wenn man diese im Vergleich zu Mehrspännern setzt. Dennoch handelt es sich in unserem Fall um eine komplett offene Laube so, dass die energieintensive thermische Hülle sich ausschließlich um die reinen Nutzflächen legt und ausschließlich diese beheizt werden.
Mehrfachnutzung betrifft in erster Linie unsere Gemeinschaftsräume: Der Salon Move-on wird einerseits der Schule vermietet, bietet aber auch die Möglichkeit für Aktivitäten und Feste der Hausgemeinschaft bzw. der Bewohner:innen der Volkshilfe. Auch die Erschließungsflächen als offene Enfilade aus schattigen, durchgrünten und kühlen Geschosshöfen dient vielfältigen Aktivitäten und Aufenthalten der Hausgemeinschaft und ist somit kein reiner Transitraum.
4) Flexibilität
Die Entscheidung in der Primärkonstruktion so viele Elemente wie möglich aufzulösen, sorgen für ihre lange Nutzungsdauer und eignen sich gut für programmatische Veränderungen. Im Konkreten bedienen wir uns dabei folgender Schwerpunkte:
- Der Stadtsockel baut auf einem Raster in Längsrichtung von 7.50 M auf, das vielfältige gewerbliche Funktionen wie Büroräumlichkeiten, edukative Nutzungen aber auch medizinischen Einrichtungen aufnehmen kann. Die massiven Wandscheiben dieser Ebene sind so aufgestellt und unterbrochen, dass eine spätere Veränderung der Raumkonfigurationen funktioniert.
- Darüber ist im 1.OG ein “reaktiver Puffer” mit 2.80 M Raumhöhe situiert, der bei Bedarf weitere gewerbliche Nutzungen aufnehmen kann.
- Die eingesetzte Sprinkleranlage verhindert die vielfältigen Brandüberschläge und ermöglicht problemlose und kostengünstige Umbauten und Ansiedlungen auch von kleinteiligeren Nutzungen nebeneinander.
- Die fünf Wohnhäuser werden auf einem für Holzbau typischem Vielfachen von 62,5 CM aufgebaut und arbeiten mit wirtschaftlichen Spannweiten von 3.125 M x 3.75 M. So kann ein bunter Setzkasten für verschiedenste Wohnkonzepte entstehen, das stets in mehrere Nutzungsszenarien entwirft und sich für mehrere Lebensphasen seiner Nutzenden eignet.
- Das Untergeschoss legen wir in seiner Raumhöhe, seinen Raumzuschnitten und konstruktiver Beschaffenheit so aus, dass bei Veränderung der Mobilitätsanforderungen weitere vielfältige Nutzungen aufgenommen werden können.
5) Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit
Langlebigkeit. Für die Primärkonstruktion der oberirdischen Gebäudeteile fiel die Entscheidung auf den nachwachsenden Baustoff Holz. Er lässt bei ordnungsgemäßer Instandhaltung des Gebäudes eine technische Nutzungsdauer von 100 Jahren erwarten. Für das unterirdische und das Sockelgeschoss verwenden wir zementreduzierten Beton (RCC / CEM II), Beton zeichnet sich durch seine Langlebigkeit aus. Durch den reduzierten Anteil an Zement kann, die Treibhausemission verringert werden.
Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit. Bei Trennbarkeit leistet unser Holzbau eine entscheidende Rolle über seine vielfältige Verwendung von mechanische Verbindungsmitteln und seiner Bauweise in Schichten. Klebeverbindungen im Generellen werden auf ein notwendiges Minimum und teilweise über Opferschichten reduziert. Bei der Ausführung legen wir Augenmerk auf reversible Verbindungen, gut zugänglich und tauschbar. Damit können die meisten Bauteile wieder zu sorgenfreien Baustoffen rückgebaut und sie entsprechend ihres Materials wieder in den Kreislauf gebracht werden.
6) Zukünftiger Rückbau und Re-Use
Unser Konstruktionskonzept zielt in erster Linie auf zukünftigen Rückbau an und wenig bis gar nicht auf zukünftige Recycling und Entsorgung. Wenn die Nutzungsflexibilität erschöpft ist, soll die Konstruktionsflexibilität in Kraft treten: unsere Gebäude werden so errichtet, dass die fünf Wohnhäuser gänzlich und der Stadtsockel bis auf seine Primärkonstruktion in einzelne Bestandteile zerlegt und in weiteren Bauvorhaben eingesetzt werden können. Wir werden unseren Digitalen Zwilling dafür nutzen, eine Ökobilanzierung der verwendeten Baustoffe anzufertigen. Somit wird die Aufstellung einer daraus resultierenden Materialdatenbank und ein konsistenter Kreislauf samt Dokumentation der verbauten Materialien möglich.
7) Zukünftiges Recycling
Durch einen sehr hohen Anteil am reinen Holzbau als Skelett- / Rahmen- und Riegelbauweise setzen wir unseren Schwerpunkt auf zukünftigen Rückbau. Zum Recycling sollen lediglich mineralische Bauteile, wie schwimmende Estriche oder Primärkonstruktion aus Stahlbeton der Unter- und Sockelgeschosse gelangen.
8) Zukünftige Entsorgung
Durch einen sehr hohen Anteil am reinen Holzbau als Skelett- / Rahmen- und Riegelbauweise setzen wir unseren Schwerpunkt auf zukünftigen Rückbau. So soll die zukünftige Entsorgung weitgehend vermieden werden und lediglich absolute konstruktive Ausnahmen betreffen.
Im Rahmen von Bauträgerwettbewerben reichen Projektteams detailliert gestaltete Schautafeln ein, um ihr Projekt bestmöglich zu präsentieren. Nachfolgend finden Sie alle Tafeln des Projekts "Inside Out" zur Ansicht bzw. hochauflösend zum Download.