Bauplatz F1 - Twinnis - Coole Bl(EIBE)

Zwischenstand August 2026

F1

Bauträger:

Aufbau


Architektur:

Kronaus Mitterer 


Landschaftsplanung:

Si landschaftsarchitektur 


Soziale Nachhaltigkeit:

Johan Mathis


derzeit geplantes Wohnungsangebot:

126 geförderte Mietwohnungen


Lokale:

1 Geschäftslokal


Schwerpunktthemen:

  • Vielfältige Wohnformen
  • Wohnsicherheit
  • Kreislaufwirtschaft


Baubeginn:

vorauss. Q4/2028

Leitidee

2 Zwillinge

2 Konstruktionssysteme

2 Typologien

2 Dachterrassen

2 Fassaden

Grün oder Orange?

f1
Präsentationstafeln zum Download

Nachfolgend finden Sie alle Tafeln des Projekts zum Download.


Tafel 1

Tafel 2

Tafel 3

Tafel 4

Architektur

Das Projekt entwickelt ein Ensemble aus vier abgetreppten Baukörpern, die sich sensibel in den Stadtraum einfügen und durch ihre klare Gliederung eine eigenständige Identität schaffen. Zwei Zwillingspaare verbinden unterschiedliche Typologien und Bauweisen: Zwei Gebäude werden in Holzbauweise (CLT), zwei als Stahlbetonskelettbau errichtet. Dadurch entstehen konstruktive, wirtschaftliche und nachhaltige Synergien.

Die unterschiedlichen Wohnungstypologien – von durchgesteckten und über Eck belichteten Wohnungen bis zu Maisonetten – ermöglichen vielfältige Lebensmodelle und fördern soziale Durchmischung, etwa durch Angebote für Alleinerziehende und reservierte Wohnungen für den FSW. Querlüftung, offene Erdgeschosszonen und durchdachte Grundrisse sorgen für hohen Wohnkomfort und wirken sommerlicher Überhitzung entgegen.

Helle, gut einsehbare Erschließungen, klare Zonierungen und Gemeinschaftsbereiche stärken Orientierung und Wohnsicherheit. Die Sockelzone mit Foyers, Community Spaces und Fahrradräumen bildet eine aktive Schnittstelle zum Quartier. Private Balkone und Terrassen sowie gemeinschaftliche Dachterrassen erweitern das Wohnangebot. Begrünte Fassaden und Dächer verbessern das Mikroklima, fördern Biodiversität und stärken die Identität der Gebäude.

Das Mobilitätskonzept folgt dem autofreien Quartiersgedanken: Der Fokus liegt auf Fuß- und Radverkehr mit großzügigen Fahrradabstellflächen, ergänzt durch eine Tiefgarage mit Zufahrt über das angrenzende Baufeld.

Die Freiraumgestaltung verbindet Wohnanlage, Quartier und Grünraum. Eine urbane Auftaktzone entlang der Eibengasse sowie ein differenzierter Innenhof mit Spiel-, Aufenthalts- und Begegnungsbereichen schaffen vielfältige Nutzungen für alle Generationen.

Grüne Achsen, Pergolen, private Gärten und gemeinschaftliche Dachterrassen fördern Begegnung und Aufenthaltsqualität. Klimaresiliente Bepflanzung, Verschattung, Verdunstungsflächen und Regenwasserrückhalt verbessern das Mikroklima und unterstützen die Klimaanpassung.

Ein abgestimmtes Pflege- und Bewirtschaftungskonzept sichert langfristig die ökologische und gestalterische Qualität. So entsteht ein nachhaltiges, sozial durchmischtes Quartier, das leistbares Wohnen mit hoher Wohnqualität und Gemeinschaft verbindet.

Soziale Nachhaltigkeit

Das Konzept legt besonderen Fokus auf die Lebensrealitäten von Alleinerziehenden und schafft durch flexible Wohnformen sowie gemeinschaftliche Strukturen Unterstützung im Alltag. Die Tandemvergabe mit Familienangehörigen ermöglicht nachbarschaftliche Netzwerke, während barrierefreie und adaptierbare Wohnungen auch generationenübergreifende Wohnmodelle wie „Oma & Opa wohnen mit“ unterstützen. Unterschiedliche Wohnungstypen (B, C, D, E) und flexible Grundrisse mit nutzbaren Nischen ermöglichen individuelle Lösungen – etwa Rückzugsorte, Gästezimmer, Homeoffice oder zusätzliche Care-Strukturen.

Laubengänge mit vorgelagerten Gartenbereichen schaffen niederschwellige Begegnungsräume, ohne die Privatsphäre einzuschränken. Ergänzend fördern gemeinschaftliche Dachflächen mit Aufenthaltsbereichen und Urban-Gardening-Angeboten den Austausch und die gemeinsame Nutzung.

Im Erdgeschoss entstehen identitätsstiftende „Points of Interest“ wie ein Spielraum mit Kletterwand, ein Mitmach-Café mit Waschküche sowie ein Reparaturcafé bzw. eine Werkstatt. Diese Räume öffnen sich zum Grünraum und fördern Begegnung zwischen Bewohner*innen und Quartier. Ein Jugendsportbereich ermöglicht zudem älteren Kindern und Jugendlichen eine eigene Aneignung des Umfelds.

Das Besiedlungsmanagement unterstützt den Aufbau einer lebendigen Hausgemeinschaft durch Aktiv-Workshops zur Gestaltung der Gemeinschaftsräume und fördert die Kommunikation unter den Bewohner*innen. Eine vor Ort wohnende Hausbesorgerin bildet dabei eine direkte Schnittstelle zur Hausverwaltung und unterstützt bei alltäglichen Anliegen.

Ökologie

Das Projekt versteht Energie- und ökologische Nachhaltigkeit als integrales Entwurfsprinzip und entwickelt ein baufeldübergreifend abgestimmtes Konzept für Gebäude, Freiraum und Energieversorgung. Ziel ist eine klimaneutrale Wärme- und Kälteversorgung über den gesamten Lebenszyklus sowie die Vermeidung sommerlicher Überhitzung durch passive Maßnahmen, erneuerbare Energien und klimaangepasste Architektur.

Die Energieversorgung basiert auf lokal verfügbaren Ressourcen wie Erdwärme und Solarenergie. Erdwärmesonden, Energiezentralen und mögliche Wärmenetze werden bereits in der Planung berücksichtigt. Die Temperierung erfolgt über flächenintegrierte Systeme – Betonkernaktivierung im Stahlbetonbau und Heiz-/Kühlsysteme im Holzbau – und ermöglicht eine effiziente, behagliche Raumtemperierung ohne zusätzliche Wärmebelastung des Außenraums. Durch optimierte Grundrisse und natürliche Durchlüftung wird der Kühlbedarf weiter reduziert.

Die Planung folgt den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Eine klare Trennung von Tragstruktur und nichttragenden Bauteilen ermöglicht spätere Anpassungen, Umnutzungen und einen ressourcenschonenden Rückbau. Rund 20 % der Bruttogrundfläche werden in CLT-Holzmassivbauweise errichtet, Stahlbeton wird auf statisch notwendige Bereiche reduziert. Vorgefertigte Holzfassaden, recyclingoptimierte Materialien und trennbare Konstruktionen unterstützen eine nachhaltige Bauweise.

Die flexible Gebäudestruktur ermöglicht unterschiedliche Wohnformen und zukünftige Nutzungsänderungen ohne Eingriffe in die Tragstruktur. Dadurch wird die Lebensdauer der Gebäude verlängert und die Wiederverwendung von Bauteilen gefördert.

Das Energiekonzept setzt auf Sole/Wasser-Wärmepumpen mit rund 40 Tiefensonden, die Einbindung in ein quartierübergreifendes Anergienetz sowie effiziente Flächenheiz- und Kühlsysteme. Free Cooling über das Erdreich sorgt für eine ressourcenschonende Temperierung. Ergänzend werden Warmwasserbereitung, natürliche Lüftung und eine Photovoltaikanlage mit rund 100 kWp zur Reduktion des Energieverbrauchs und zur Nutzung erneuerbarer Energie optimiert.

So entsteht ein anpassungsfähiges, energieeffizientes und kreislauforientiertes Gebäudekonzept mit langfristig geringer Umweltbelastung.

Ökonomie

Das Projekt setzt auf leistbaren Wohnraum und einen effizienten Einsatz öffentlicher Fördermittel. Die geförderten Normwohnungen werden ohne Grundkostenbeitrag angeboten.

Um besonders leistbares Wohnen zu ermöglichen, wird die Hälfte der Wohnungen als SMART-Wohnungen mit Super- bzw. § 6a-Förderung errichtet - ein Grundkostenbeitrag entfällt ebenfalls.

Auch die geförderten Geschäftslokale werden nach den Prinzipien von Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit umgesetzt.

Zusätzlich wird der Bezugsmonat für alle zukünftigen Bewohner*innen mietfrei gestellt, um den Einzug finanziell zu erleichtern. Damit verbindet das Projekt leistbaren Wohnraum mit einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Einsatz öffentlicher Mittel und berücksichtigt langfristig die Grundsätze von Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit – sowohl bei den Investitionen als auch bei den Folgekosten.

Schwerpunkt: Vielfältige Wohnformen

Das Projekt setzt auf eine aktive Hausgemeinschaft und eine nachhaltige Kommunikationskultur. Durch ein mehrjähriges Besiedlungsmanagement werden Bewohnerinnen beim Einzug begleitet, Aktivgruppen aufgebaut und gemeinschaftliche Prozesse unterstützt. Aktiv-Workshops ermöglichen die gemeinsame Gestaltung der Gemeinschaftsräume. Regelmäßige Hausversammlungen und Jour-fixe-Termine zwischen Hausverwaltung und Bewohnerinnen schaffen transparente Kommunikationsstrukturen. Die vor Ort wohnende Hausbesorger*in bildet dabei die direkte Schnittstelle zur Hausverwaltung.

Zentrale Gemeinschaftsangebote wie das Mitmach-Café mit Spielraum, Kletterwand und gemeinschaftlicher Waschküche fördern Begegnung und gemeinsame Aktivitäten. Der Raum dient für Feste, Workshops, Informationsveranstaltungen sowie Tausch- und Verleihangebote. Eine Repair-Station mit Geräteverleih ermöglicht gemeinsames Reparieren, Basteln und Ressourcenschonung und öffnet sich auch für das Quartier. Der Sport-Treff bietet ein offenes Kinder- und Jugendprogramm sowie Möglichkeiten für gemeinschaftliche Sportaktivitäten und wirkt über das Gebäude hinaus ins Stadtviertel.

Auch die Freiräume unterstützen Begegnung und ökologische Qualität: Naturnahe Kinder- und Jugendspielflächen, gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche, Pflanzbänder vor den Eigengärten sowie Wildhecken und Natursteinmauern schaffen attraktive Aufenthaltsräume und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf innovativen Wohnmodellen für Alleinerziehende. 20 Wohnungen werden für diese Zielgruppe reserviert und über JUNO vergeben und begleitet. Durch vorgezogene Vergabe und Tandem-Modelle können nachbarschaftliche Unterstützungsnetzwerke entstehen, etwa durch generationenübergreifendes Wohnen mit Familienangehörigen. Unterschiedliche Wohnungstypen (B, C, D, E), flexible Grundrisse und nutzbare Nischen ermöglichen individuelle Lösungen – etwa für Homeoffice, Gäste, zusätzliche Schlafplätze oder Rückzug.

Ergänzend fördern barrierefreie und adaptierbare Wohnungen eine langfristige Nutzbarkeit für unterschiedliche Lebenssituationen. Ein Kontingent von fünf Typ-A-Wohnungen des Fonds Soziales Wien sowie ein vielfältiger Wohnungsmix aus SMART- und Normwohnungen unterstützen die soziale Durchmischung. Die flexible Anpassbarkeit der Grundrisse ermöglicht es, dass Wohnungen mit den Bedürfnissen ihrer Bewohner*innen mitwachsen und unterschiedliche Familien- und Lebensmodelle aufnehmen können.

Schwerpunkt: Wohnsicherheit

Das Sicherheitsgefühl der Bewohner*innen wird durch eine klare räumliche Organisation und eine soziale Aktivierung des Wohnumfelds gestärkt. Vorgelagerte Freiräume schaffen in den Erdgeschosswohnungen Privatheit, ohne abgeschottete Bereiche entstehen zu lassen. Gut einsehbare Gemeinschaftszonen ermöglichen informelle soziale Kontrolle und fördern das Miteinander.

Durch klar definierte Übergänge zwischen öffentlichen und privaten Bereichen, ausschließlich privat zugängliche Eingänge und gut belichtete Erschließungsbereiche werden Orientierung verbessert und Angsträume vermieden. Natürlich belichtete Gänge mit Außenbezug sowie großzügige Foyers schaffen attraktive Begegnungs- und Kommunikationsbereiche.

Einsehbare Stiegenhäuser, Community Spaces und gemeinschaftliche Nutzungen unterstützen die soziale Vernetzung im Haus. Besonders die Nähe der Wohnungen für Alleinerziehende zu Gemeinschaftsflächen wie Laubengängen und Spielbereichen stärkt das Sicherheitsgefühl und fördert nachbarschaftliche Unterstützung.

Durch die Verbindung von guter Sichtbarkeit, klaren Raumstrukturen, ausreichender Beleuchtung und lebendigen Gemeinschaftsbereichen entsteht ein Wohnumfeld, das Sicherheit, Orientierung und soziale Geborgenheit nachhaltig unterstützt.

Schwerpunkt: Kreislaufwirtschaft

Tragwerkskonzept und Konstruktion

Das Tragwerkskonzept verfolgt eine robuste, langlebige und kreislauffähige Bauweise, die je nach Gebäudehöhe und Nutzung unterschiedliche Systeme kombiniert. Zum Einsatz kommen vorgefertigte, modulare Elemente aus Stahlbeton- und Holzbauweise. Stahlbetonflachdecken mit Bauteilaktivierung werden mit einem effizienten Skelettsystem kombiniert, während Brettsperrholzdecken und -wände gezielt in geeigneten Bereichen eingesetzt werden. Der Holzanteil wird bewusst eingesetzt, um Materialverbrauch und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Kurze Spannweiten ermöglichen reduzierte Betongüten, erhöhte Betondeckungen verlängern die Lebensdauer der Primärkonstruktion von 50 auf 100 Jahre. Die Betonkonstruktion unterstützt zudem durch ihre Speichermasse das Energiekonzept.

Fassaden- und Ausbaukonzept

Die vorgesetzten Holzriegel-Fassaden sind vom Tragwerk entkoppelt und modular aufgebaut. Fassaden und Innenausbau werden möglichst trocken gefügt und mit lösbaren Verbindungen ausgeführt. Dadurch werden Reparatur, Austausch und ein zerstörungsarmer Rückbau ermöglicht. Zugängliche Installationsebenen und klar trennbare Materialien unterstützen die langfristige Anpassbarkeit des Gebäudes.

Nachhaltigkeit, CO₂ und Materialökologie

Durch klinkerreduzierte Zemente, Recyclingbeton mit 40 % RC-Gesteinskörnung, Stähle mit hohem Recyclinganteil sowie die Integration von Holzmassivbauabschnitten wird der CO₂-Fußabdruck deutlich reduziert. Gegenüber einer konventionellen Stahlbetonbauweise wird eine GWP-Reduktion von rund 45–50 % erreicht. Auf bituminöse Abdichtungen wird verzichtet.

Kreislauffähigkeit und Anpassbarkeit

Die klare Trennung von Tragwerk, Fassade und Ausbau bildet die Grundlage für ein zirkuläres Gebäude. Nach dem Prinzip „Weiterverwenden vor Ersetzen, Demontage vor Zerstörung“ werden mechanische Verbindungen, sortenrein trennbare Bauteile und der Verzicht auf problematische Verbundmaterialien eingesetzt. Ein digitaler Gebäuderessourcenpass dokumentiert Materialien, Mengen und Rückbaupotenziale.

Die flexible Struktur ermöglicht langfristig unterschiedliche Wohnungsgrößen, Grundrissanpassungen sowie alternative Nutzungen wie Büro-, Praxis- oder Gemeinschaftsflächen, ohne Eingriffe in die Tragstruktur. Durch die hohe Anpassungsfähigkeit wird die Lebensdauer des Gebäudes verlängert. Rückbau, Wiederverwendung und Materialrückgewinnung können ressourcenschonend erfolgen – das Gebäude wird als zukünftiges Materiallager verstanden.