
20., Nordwestbahnhof Bauplatz 10
Bauträger: EGW / Schönere Zukunft
Architektur: einszueins architektur / feld72 architekten
Landschaftsplaner: EGKK
Soziale Nachhaltigkeit: Caritas Stadtteilarbeit
Wohneinheiten: 162
Heimeinheiten: 2 (mit 16 Plätzen)
Geschäftslokale: 7
Bezugstermin: Herbst 2029
Die folgenden Inhalte zeigen, was das Team des Siegerprojekts für den Bauträgerwettbewerb eingereicht hat – insbesondere zum Schwerpunktthema "Planung nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien".
Quellen (sofern nicht anders angeführt): Auszüge aus den Einreichunterlagen
Die „Wiener Luft“ versucht in den Handlungsfeldern Klimaschutz, Klimawandelanpassung und Kreislaufwirtschaft weitreichende Antworten zu finden, die deutlich über den aktuellen Status Quo hinausgehen. Dabei sind wir davon überzeugt, dass sich neben dem Fokus auf Ressourcen, Emissionen und Kreislauf auch die Frage stellt, welche Typen von Häusern wir zukünftig bauen sollten:
Wie schaffen wir es urbane Dichte und die Möglichkeit zur Durchlüftung & Kühlung zu kombinieren? Welche Typologien brauchen wir zukünftig um mit passiven, robusten Strukturen die richtigen Grundvoraussetzungen für möglichst resiliente Gebäude, deren möglichst langandauernde Nutzung und damit anpassbare, wandlungsfähige Stadtquartiere zu schaffen?

Als Planungsteam sind wir davon überzeugt, dass sich neben dem Fokus auf Ressourcen, Emissionen und Kreislauf auch die Frage stellt, welche Typen von Häusern wir zukünftig bauen sollen: Können Häuser mit Mittelgängen noch länger das Mittel der Wahl sein? Wie schaffen wir, urbane Dichte und die Möglichkeit zur Durchlüftung zu kombinieren? Welche Typologien brauchen wir in Zukunft, um schon mit passiven und robusten Strukturen die richtigen Grundvoraussetzungen zu schaffen?
Bei der „Wiener Luft“ gehen wir einen neuen Weg, der Anleihe nimmt an erprobten Lösungen aus heißeren Weltregionen: Adiabatische Lüftungen in traditionellen mehrgeschoßigen Lehmhäusern im Jemen, aber auch zeitgenössische Lösungen im heißen Spanien haben uns bei der Entwicklung von Häusern inspiriert, die vielleicht auf den ersten Blick im Wiener Wohnbau ungewöhnlich erscheinen. Auf den zweiten Blick zeigen sie eine Porosität innerhalb der tiefen Gebäude, die es ermöglicht, Luft im Inneren der Gebäude so zu nutzen, dass sie im Winter wärmer, aber vor allem im Sommer kühler bleiben können.
Klimaschutz: Mit nachweislichen Net-Zero in Herstellung und Errichtung, sowie Net-Zero im Betrieb schon heute unter Beweis stellen, dass wir Gebäude CO2 neutral realisieren und betreiben können.
Klimawandelanpassung: Durch robuste und resiliente Systeme des Beschattens, Lüftens und Kühlens lebenswerten Wohnraum in der heißer werdenden Stadt zur Verfügung stellen.
Kreislaufwirtschaft: Durch die primäre Verwendung von nachwachsenden und biogenen Baustoffen endliche Ressourcen schonen. Mit Langlebigkeit, Demontierbarkeit und der teilweisen Verwendung von Sekundärbaustoffen die Umsetzung zur Kreislaufwirtschaft einen großen Schritt voranbringen.
Gerade weil die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt, ist es von entscheidender Bedeutung, Ressourcenschonung, Langlebigkeit, Demontierbarkeit und Co. Mit beispielhaften Projekten mit großen Schritten in den „Mainstream“ zu verhelfen.

Ressourcenschonung
„Wiener Luft“ wird als lasttragender Holzbau mit maximalem Einsatz von nachwachsenden und biogenen Baustoffen umgesetzt: Beim Außenwandsystem setzen wir auf konstruktiven Holzbau und ein hohes Maß an Vorfertigung, wobei „Wiener Luft“ hier einen entscheidenden Schritt weiter geht als bereits umgesetzte Projekte.
In Kooperation mit dem Waldviertler Ökopionier LOPAS realisiert das Projekt erstmals in dieser Größenordnung Außenwände, die fast ausschließlich aus Holz, Stroh und Lehm bestehen. Die seit wenigen Monaten vorliegenden positiven Großbrandversuche ermöglichen es, diese zukunftsweisende Materialisierung des Gebäudes schon jetzt auch im urbanen Kontext umzusetzen.
Stroh
Stroh ist der Wunderwuzzi unter den ökologischen Dämmstoffen: Es ist einjährig nachwachsend und als Nebenprodukt der Landwirtschaft in großen Mengen regional verfügbar (z.B. ISOSTROH in NÖ). Als nachwachsender Baustoff bindet es in großer Menge CO2, ist diffusionsoffen und verbraucht (durch eine intelligente Art zu häckseln) kaum Primärenergie und verursacht kaum Emissionen. Durch den Einsatz von Stroh kann Mineralwolle (hoher Primärenergiebedarf, hohe Emissionen, nicht kreislauffähig), als Dämmstoff ersetzt werden.
Lehm
Lehm ist das einzige Baumaterial, das unendlich oft im Kreislauf geführt werden kann und somit nach Ende des Lebenszyklus des Gebäudes abfallfrei wiederverwendbar ist. Lehm verbessert das Raumklima, reguliert die Luftfeuchtigkeit und dient als hochwirksame thermische Speichermasse. Daneben stellt er einen wichtigen Beitrag zum funktionierenden Brandschutz des Gebäudes dar. Er ist regional in Wien und Niederösterreich in großen Mengen verfügbar.
Holz
Holz ist der Baustoff der Wahl, um leistungsfähige und langlebige tragende Gebäudestrukturen zu errichten. Es speichert CO2 und substituiert andere emissionsintensive Baumaterialien. Der Rohstoff Fichtenholz wird durch den Klimawandel in den nächsten Jahren verstärkt aus unseren Wäldern kommen (geplant und ungeplant). Wenn wir ihn und seinen gebundenen Kohlenstoff in Gebäuden sichern, können wir im großen Maßstab einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Optimierung von Aufbauten
Durch eine Untersuchung der wichtigsten Bauteile nach dem Verfahren des (Urban Mining Index (UMI) bereits im Wettbewerb konnten wesentliche Optimierungen hin zur Kreislauffähigkeit vorgenommen werden: Holzfaserdämmplatten in Zwischenwänden statt Mineralwolle oder Anhydridestrich statt Zementestrich erhöhen die Kreislauffähigkeit und reduzieren die Emissionen in der Herstellung.
Einsatz von Sekundärbaustoffen
Gebrauchte Glasbausteine für die Wände der Plusräume (sind bereits reserviert) oder Klinker im Freiraum (jederzeit verfügbar) werden als Sekundärbaustoffe zum Einsatz kommen. Damit wird „Wiener Luft“ nicht nur in Zukunft dauerhaft, werthaltig und kreislauffähig sein, sondern wird bereits heute durch Widerverwendung einen Beitrag zu aktiv umgesetzter Kreislaufwirtschaft leisten.




Im Rahmen von Bauträgerwettbewerben reichen Projektteams detailliert gestaltete Schautafeln ein, um ihr Projekt bestmöglich zu präsentieren. Nachfolgend finden Sie alle Tafeln des Projekts "Wiener Luft" zur Ansicht bzw. hochauflösend zum Download.