
Bauträger: MIGRA
Architektur: Hohensinn Architektur
Landschaftsplaner: Kräftner Landschaftsarchitektur
Soziale Nachhaltigkeit: realitylab
21., Leopoldauer Straße 132A
Wohneinheiten: 12
22., Donaustadtstraße
Wohneinheiten: 39
Heimplätze: 9
22., Steinspornweg 33
Wohneinheiten: 15
Die folgenden Inhalte zeigen, was das Team des Siegerprojekts für den Bauträgerwettbewerb eingereicht hat – insbesondere zum Schwerpunktthema "Planung nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien".
Quellen (sofern nicht anders angeführt): Auszüge aus den Einreichunterlagen
Holz als Baustoff soll im Wiener Wohnbau stärker etabliert werden. Wir schlagen dazu einen Baukasten vor, der in seiner Anpassbarkeit, Vielseitigkeit und Skalierbarkeit dazu beitragen kann.
Er enthält nicht nur Überlegungen zum Holzbau – sondern denkt vielschichtige Themen des zukunftsfähigen Bauens mit. Es entsteht eine Kombination von klassischen Handwerksprinzipen – wie dem Holzbauraster – und modernsten Weiterentwicklungen – wie innovativen Betondeckenfertigteilen mit thermischer Aktivierung.
Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Hebel zur Erreichung der nationalen und globalen Klimaziele, wie sie mit der österreichischen Holzbauinitiative aktuell auch politisch stark forciert wird. Holz als nachwachsender Rohstoff hat ein sehr hohes CO2-Speicherpotential. Holz ist daher CO2-neutral. Am Ende des Lebenszyklus von Holzprodukten erfolgt in einer linearen Wirtschaft jedoch wieder die Freisetzung dieses nativen CO2 bei der Verbrennung oder Verrottung.


Die Entwicklung eines Baukastens ermöglicht es uns, auf Prinzipien der Kreislaufwirtschaft besonders einzugehen. So bauen die Wohnmodule auf dem Holzbauraster von 62,5 cm auf, das sich in der klassischen Zimmerei bewährt hat. Das erlaubt einen materialsparenden Einsatz aller Materialien. Außenwände als Holzriegelkonstruktion sind so statisch optimal genutzt und Beplankungen können mit minimalem Verschnitt hergestellt werden. Die Öffnungen passen wir an das Raster an. Wohnungstrennwände aus Brettschichtholz können – entgegen der üblichen Praxis – bei HERTHA auch einschalig ausgeführt werden. Das erhöht nicht nur die Nutzfläche, sondern ermöglicht einen sparsamen Einsatz des wertvollen Materials.
Wir konzentrieren uns darüber hinaus auf die grundlegende Kreislauffähigkeit des Holzbaus und werden mit einem LOI der Holzforschung Austria und dem Projekt TimberLOOP (Aus dem Bauwesen, für das Bauwesen - Grundlagen zur Kreislauffähigkeit von Holz) unterstützt.
Die Holzwirtschaft muss sich in diesem Umfeld von einer kaskadischen hin zu einer zirkulären Verarbeitungskette entwickeln.
Reuse und Upcycling müssen dem Downcycling vorangestellt werden. Das erfordert den Einsatz von Altholz als Massivholz in Bereichen mit bedeutendem Marktvolumen. Dazu bekennt sich die Migra mit der Verwendung von Re-Use Parkett im gegenständlichen Wettbewerb. Damit gelingt eine erhebliche Verlängerung der jeweiligen Nutzungsdauer des Rohstoffes. Durch Entwicklung von qualitätsgesicherten Produkten und Prozessen basierend auf zirkulärem Holz, werden gleichzeitig die klimapolitischen Vorgaben erreicht und eine langanhaltende Kritik einer vermeintlichen Linearität der Holzverarbeitung durchbrochen.


Holzforschung Austria TimberLOOP
Das übergeordnete Projektziel ist, einen Rahmen zu schaffen, welcher eine effektive Kreislaufwirtschaft innerhalb der sehr vielschichtigen Holzindustrie für die nahe Zukunft ermöglicht. Durch das Projekt selbst werden daher folgende Teilziele angestrebt:
Re-Use Bauteile in Wiederverwendung
Holz in der Wiederverwendung ist bisher im Bauen unterrepräsentiert, stellt aber die eindeutig nachhaltigste Beschaffungsquelle dar. Über die Verpflichtung der Migra hinaus, Parkettböden im gegenständlichen Beitrag aus Re-Use Parkett auszuführen, wurde eingehend die Verwendung geeigneter Bauteile aus dem digitalen Zwilling des Europapavillons des Sophienspitals geprüft. Seit November 2021 arbeiten wir mit BauKarussell an einer bestmöglichen Verwertung der Gebäudesubstanz.
Vorab vorgeschlagene Anwendungen von Re-Use Bauteilen sind:
Kreislaufwirtschaft im Freiraum
Sandig-kiesige Schichten lassen sich zur Gestaltung abwechslungsreicher Naturspielplätze verwenden, und stellen wertvolle Oberflächenmaterialien für Insekten oder Reptilien dar (Abenteuerspielplatz Steinspornweg). Einige Bäume, die am Grundstück Donaustadtstraße entfernt werden müssen, werden je nach technischer Möglichkeit als Baumaterial eingesetzt. Holzmasse kann unmittelbar vor Ort gewonnen und in der Werkstatt verarbeitet werden: eine Aussichtsplattform im Wald, ein Holzzaun, Kletterstämme zum Spielen, Möblierungsobjekte.
Im Rahmen von Bauträgerwettbewerben reichen Projektteams detailliert gestaltete Schautafeln ein, um ihr Projekt bestmöglich zu präsentieren. Nachfolgend finden Sie alle Tafeln des Projekts "HERTHA" zur Ansicht bzw. hochauflösend zum Download.