Fir für Morgen

22., Quartier Seecarré - aspern Seestadt


Bauträger: Neues Leben / Schönere Zukunft

Architektur: g.o.y.a. Ziviltechniker GmbH / wup ZT GmbH

Landschaftsplaner: DnD Landschaftsplanung ZT GmbH

Soziale Nachhaltigkeit: Caritas Stadtteilarbeit


Wohneinheiten: 204

Geschäftslokale: 21

Bezugstermin: Sommer 2029


Die folgenden Inhalte zeigen, was das Team des Siegerprojekts für den Bauträgerwettbewerb eingereicht hat – insbesondere zum Schwerpunktthema "Planung nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien".


Quellen (sofern nicht anders angeführt): Auszüge aus den Einreichunterlagen

Das Projekt integriert intelligent und zukunftsorientiert Architektur, soziale Nachhaltigkeit, ökologische Verantwortung und ökonomische Effizienz. Durch eine flexible und nachhaltige Bauweise wird ein lebendiges und zukunftsfähiges urbanes Umfeld geschaffen, das den Bedürfnissen der Bewohner*innen in allen Lebensphasen gerecht wird.


Der Fokus auf gemeinschaftliche Freiräume, die Nutzung ressourcenschonender Materialien und die Integration von Low-Tech-Systemen sichern die langfristige Gebrauchstauglichkeit und Resilienz des Projekts und tragen gleichzeitig zum Klimaschutz und zur sozialen Teilhabe bei.

Planung nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien

Die Grundlage für die Reduktion des Ressourcen- und Emissionsverbrauchs über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude am Bauplatz wurde durch die Wahl der Baustoffe und Konstruktionen gelegt. 

Pre-Use/Einbau

A) Verbaute Materialien (Materialeinsatz)

Eine konsequente Vermeidung von nicht trennbaren Materialverbindungen und ressourcenintensiven Baustoffen (z.B. Stahlbeton) war ein primäres Planungsziel was sich schon der Pre-Use Phase widerspiegelt. Die Geschossdecken, die einen großen Anteil in der ökologischen Betrachtung des Materialeinsatzes spielen, wurden als Holzmassivdecken (Brettsperrholzdecken) mit Holzuntersicht und einem reduzierten Stahlbetonskelett (Stützen und Unterzüge) aus CO2 reduziertem Stahlbeton geplant.


Außenwände in Ziegel-Beton-Verbundbauweise (ZBV) (in Anlehnung an Holz-Beton-Verbund): eine tragende Skelettstruktur in STB-Fertigteilen kombiniert mit ausfachenden Ziegeln - monolithisch verputzte Hochlochziegel mit einem Lehmputz als Innendämmung. Ein 100% vollelektrisch produzierter Ziegel setzt neue Maßstäbe in der nachhaltigen Baustoffproduktion.

Dank modernster Technologie und dem Einsatz erneuerbarer Energien wird er ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe hergestellt. Dies reduziert den CO₂-Fußabdruck erheblich und macht den E-Ziegel zu einer umweltfreundlichen Alternative für zukunftsorientiertes Bauen. Die in der ökologischen Berechnung für den Ziegel hinterlegten Werte können mit dem CO2-reduzierten Ziegeln noch deutlich unterschritten werden, was die Bilanz noch weiter verbessern würde. Für die aussteifenden Kerne werden STB Fertig- bzw. Halbfertigteile eingesetzt. Die Errichtung erfolgt bestmöglich in Montagebauweise mit vorgefertigten Fertig- oder Halbfertigteilen. So wird der Impact für die Umgebung auf ein Minimum reduziert.


B) Ökobilanzierung

Die Ökobilanzierung wird im Planungsprozess berücksichtigt. Eine Analyse der CO₂-Emissionen, des Energieverbrauchs und der Ressourcenverwendung hilft, die ökologischen Auswirkungen des Projekts zu minimieren und nachhaltig zu optimieren.

Use/Nutzung

C) Nutzungsintensität

Die Nutzungsintensität eines Gebäudes bezieht sich auf die effiziente Nutzung von Raum und Ressourcen während der gesamten Lebensdauer. Das Gebäude wird so geplant, dass es flexibel auf verschiedene Nutzungsanforderungen angepasst werden kann, was die Lebenszykluskosten und den Ressourcenverbrauch optimiert.

D) Flexibilität, Umnutzbarkeit und Nachverdichtung

Ein wichtiger Aspekt der Kreislaufwirtschaft ist die Flexibilität eines Gebäudes. Die geplante Umnutzbarkeit ermöglicht es, Räume bei Bedarf für andere Funktionen zu verwenden (Raumhöhen zumeist ≥ 2,8m), ohne umfangreiche Umbauten oder Abrissarbeiten durchführen zu müssen. Die Gebäude sind so geplant, dass sie aus wenigen fixen tragenden Elementen bestehen.


Eine flexible Grundstruktur schafft zukunftsfitte Gebäude, die flexibel auf verschiedene Nutzungsanforderungen angepasst werden können, wodurch die Lebenszykluskosten und der Ressourcenverbrauch optimiert wird. Auch die Nachverdichtung wird berücksichtigt, um auf zukünftige Anforderungen reagieren zu können. Das „Haus der Möglichkeiten“ ist so konzipiert, dass eine nachträgliche Aufstockung um zwei zusätzliche Geschosse möglich wäre

E) Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit

Um die Lebensdauer des Gebäudes zu maximieren und den Materialverbrauch zu reduzieren, werden langlebige und reparaturfähige Materialien eingesetzt. Dies ermöglicht es, defekte oder abgenutzte Bauteile auszutauschen, ohne die gesamte Struktur zu ersetzen. Die Tauschbarkeit von Bauteilen ist ein weiterer Vorteil, der die Lebensdauer verlängert und die Notwendigkeit für umfassende Neubauten verringert.

Post-Use/Rückbau

F) Rückbau und ReUse

Die Verwendung von wiederverwendbaren, sortenreinen Materialien und die Einführung eines digitalen Zwillings zur Verfolgung von Materialien für eine mögliche Wiederverwendung gewährleisten eine nachhaltige Ressourcennutzung. Dies fördert nicht nur die ökologische Verantwortung, sondern ermöglicht auch eine effiziente Rückgewinnung wertvoller Baustoffe. Wiederverwendbare Bauteile wie Ziegelfertigteilwände, Stahlbeton-Fertigteilelemente und Holz-Elementdecken können sorgfältig demontiert werden und in neuen Bauprojekten erneut eingesetzt werden. Schraubverbindungen statt Klebeverbindungen erleichtern die Trennung der Elemente, während der Verzicht auf Verbundmaterialien eine sortenreine Weiterverarbeitung sichert.


In der Post-Use Phase können große Teile des Gebäudes, vor allem die Decken und Innenwände, zerstörungsfrei getrennt und rückgebaut werden. Die Außenwände können einfach recycelt werden, da es sich um sortenreine Materialien handelt.  


Bei der Planung in Montagebauweise werden die Möglichkeiten des Rückbaus mit bearbeitet. Die Anschlüsse und Verbindungen werden in Richtung einfacher Rückbaubarkeit untersucht. Die Einzelbauteile und die vorgefertigten Bauelemente werden im Wesentlichen in der Reihenfolge der Montage zurückgebaut. Eine Wiederverwendung der Brettsperrholzdecken und der Unterzüge für ähnliche Funktionen ist vorgesehen, die statischen Kenngrößen dazu sind in entsprechenden Dokumenten hinterlegt.


Die vorgefertigte, tragende Skelettstruktur STB und die Fertigteil-Ziegelwände können ebenfalls dem umgekehrten Montagekonzept folgend demontiert werden, Verbindungstellen werden entsprechend ausgebildet und vorbereitet. Dem Konzept folgend werden auch die massiven Kerne in Fertigteilbauweise geplant und ausgeführt.

G) Recycling

Bauteile, die nach der Nutzung nicht wiederverwendet werden können, werden einem kontrollierten Recyclingprozess zugeführt. 


H) Entsorgung

Bauteile, die weder wiederverwendet noch recycelt werden können, werden entsorgt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Entsorgung auf umweltfreundliche Weise erfolgt und Abfälle minimiert werden.

Präsentationstafeln zum Download

Im Rahmen von Bauträgerwettbewerben reichen Projektteams detailliert gestaltete Schautafeln ein, um ihr Projekt bestmöglich zu präsentieren. Nachfolgend finden Sie alle Tafeln des Projekts "Inside Out" zur Ansicht bzw. hochauflösend zum Download.