Die Wien 3420 Development AG hat in Kooperation mit dem wohnfonds_wien, fonds für wohnbau und stadterneuerung, von Dezember 2024 bis Märze 2025 einen einstufigen, nicht anonymen Bauträgerwettbewerb für das Projektgebiet Wien 22., Quartier Seecarré – aspern Seestadt mit einem Gesamtvolumen von rd. 370 Wohneinheiten ausgeschrieben. Dieser Wettbewerb ist Teil der „Wohnbau-Offensive 2024+“.
Gegenstand des Verfahrens waren 2 Bauplätze. Für einen Bauplatz waren ausschließlich Wettbewerber*innengemeinschaften bestehend aus zumindest je zwei Bauträgern und zumindest je zwei Architekt*innen (Architekt*innenteams/ Gesellschaften) zugelassen.
Der Bauträgerwettbewerb hat den Schwerpunkt auf die Themen Gesund und fit, Klimaschutz und Ressourcenschonung sowie Klimaresilienz gelegt.

Angesichts der Endlichkeit der global verfügbaren Ressourcen, der laufend steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und der negativen Auswirkungen der Rohstoffgewinnung und -verwendung auf Umwelt und Klima wird ressourcenschonendes, kreislauffähiges Bauen als zentrales Instrument des Biodiversitäts- und Klimaschutzes in den Fokus des gegenständlichen Verfahrens gerückt. Bestmögliche Ressourcenschonung ist sowohl Ziel der Europäischen Kommission im Rahmen des Europäischen Grünen Deals als auch der Smart Klima City Strategie Wien, die für „eine hohe Lebensqualität für alle bei größtmöglicher Ressourcenschonung“ steht und für den Zielbereich Gebäude ab 2030 kreislauffähiges Planen und Bauen bei Neubau und Sanierung zum Standard erhebt.

Im Sinne der Smart Klima City Strategie und des Wiener Klimafahrplans ist auf eine nachhaltige und lebenszyklusorientierte Nutzung der natürlichen Ressourcen zu achten. Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft bieten dafür den richtigen Zugang. Das Potential zur Implementierung zirkulärer Prinzipien ist zu Projektbeginn am größten, denn Kreislauffähigkeit ist nicht nachrüstbar und muss daher von Anfang an als grundlegende Designprämisse verstanden und angewendet werden. Die Vorgaben seitens der EU (Grundanforderung 7 der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten) sowie des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB-Grundlagendokument zur Ausarbeitung einer OIB-Richtlinie 7 (OIB-330.7-009/23)) sind hierbei zu berücksichtigen.
Dementsprechend sind jene Maßnahmen zu setzen und nachzuweisen, die zur Reduktion des Ressourcen- und Emissionsverbrauchs über den gesamten Lebenszyklus beitragen. Diese Maßnahmen lassen sich grob in 3 Wirkungsbereiche (Phasen) gliedern: (1) der heutige Beitrag zur Ressourcenschonung in der Phase des „Pre-Use/Einbaus“, (2) die Optimierung der Nutzung des Gebäudes in der Phase „Use/Nutzung“ und (3) in einen künftigen Beitrag, nämlich in der Phase des „Post-Use/Rückbaus“.
Folgende Maßnahmen zur Ressourcenschonung mit dem Werkzeug der Kreislaufwirtschaft sollen nach Möglichkeit im Rahmen des Wettbewerbs entlang der 3 Wirkungsbereiche berücksichtigt werden:
Pre-Use/Einbau (Bewertung heutiger Ressourcenverbrauch, Kreislaufführung sowie Umweltwirkungen auf Baustoffebene):
A) Verbaute Materialien (Materialeinsatz)
Einen besonderen Einfluss auf die ökologische Nachhaltigkeit eines Bauwerks hat der Ressourcen- bzw. Materialeinsatz und dessen Dokumentation. Ziel ist die Reduktion des Einsatzes von (energieintensiven) Primärrohstoffen (durch die Verwendung von wiederverwendeten, recycelten, regenerativen sowie-, lokal verfügbaren Materialien und Ressourcen (verantwortungsbewusste Materialherkunft). Darüber hinaus ist die Dokumentation der Art und Menge der relevanten Baustoffe die Grundlage für eine werthaltige Kreislaufführung der Rohstoffe und die Bewertung der Klima- und Umwelteinwirkungen.
B) Ökobilanzierung
Die alleinige Betrachtung der Menge der verbauten Materialien liefert keine direkte Aussage über den Umwelteinfluss. Wichtig ist daher, die Menge der verbauten Materialien in Kombination mit deren ökologische Qualität bzw. Einfluss auf die Umwelt zu betrachten, beispielsweise anhand des Treibhausgaspotenzials. Ziel ist also die Reduktion der Umweltbelastungen durch Berechnung und Optimierung der Gebäudeökobilanz.
Use/Nutzung (Bewertung Qualitäten und Potenziale innerhalb der Nutzungsphase):
C) Nutzungsintensität
Die effiziente Nutzung von Gebäuden und damit der eingesetzten Ressourcen ist eine besonders unmittelbare und zielführende Art der Ressourcenschonung. In der Umsetzung bedeutet dies einerseits ein Minimieren an nicht verwendbaren bzw. notwendigen Flächen und andererseits eine möglichst intensive Nutzung von Räumen beispielsweise durch Mehrfachnutzung. Ziel ist also die Ressourceneinsparung durch Optimierung der Gebäudenutzung hinsichtlich Funktionalität und Konstruktion.
D) Flexibilität, Umnutzbarkeit und Nachverdichtung
Eine langfristige Gebäudenutzung bedeutet direkte Ressourcenschonung, ist also zentrales Ziel kreislauffähigen Bauens. Da in der Planungsphase in der Regel nicht absehbar ist, inwiefern sich bis zum Lebensende des Gebäudes Anforderungen oder externe Rahmenbedingungen ändern, ist es wesentlich, dass Gebäude so geplant und gebaut werden, dass sie innerhalb ihrer Nutzungsphase – ohne wesentliche Eingriffe in die Tragstruktur – adaptierbar und damit weiter nutzbar und die Grundstruktur sowie ihre wesentlichen Erschließungsbereiche (z.B. Treppenhäuser) so angelegt sowie die Gebäudefassade und die technische Gebäudeausstattung so konzipiert sind, dass auch eine andere Nutzung als die ursprünglich intendierte möglich ist. Ziel ist also Ressourceneinsparung durch Verlängerung der Gebäudenutzung mittels Steigerung der Nutzungs- bzw. Gebäudeflexibilität.
E) Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit
Der Erhalt bzw. die Verlängerung der Lebensdauer von Gebäuden und damit das Ermöglichen von längeren Nutzungsdauern ist eine direkte Möglichkeit der Ressourcenschonung. Dies kann beispielsweise durch Einsatz besonders langlebiger sowie robuster Bauweisen und Materialien, wie etwa hinterlüfteten Fassaden, geschehen. Zielführend ist darüber hinaus das Setzen von Maßnahmen in der Planung, die einfache Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit von Gebäudeelementen, wie etwa lösbare Verbindungsmittel und Gewährleistung einer guten Zugänglichkeit zu Haustechnikelementen, ermöglichen. Ziel ist somit Ressourceneinsparung durch Verlängerung der Gebäudenutzung mittels Steigerung der Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit von Gebäudeteilen und haustechnischen Anlagen.
Post-Use/Rückbau (zukünftiger Beitrag, potenziell):
F) Rückbau und Reuse
Im Sinne einer Kreislaufführung von Ressourcen sind umweltverträgliche Materialien und Bauteile so einzusetzen, dass diese ohne großen Aufwand (zerstörungsfrei) trennbar, rückbaubar und wiederverwendbar sind. Ziel ist somit Ressourceneinsparung durch verstärkten Einsatz rückbaufähiger und wiederverwendbarer Bauweisen und Materialien.
G) Recycling
Können Gebäude, Bauelemente oder Baustoffe nicht wiederverwendet werden, ist das Recycling der nächste Schritt, um Ressourcen zu schonen und Materialien im Kreislauf zu halten. Im Vordergrund steht hierbei das Potenzial des einfachen Wiedergewinnens von schad- und störstofffreien bzw. sortenreinen Baumaterialien, um diese werthaltigen Recyclingprozessen zuführen zu können. Ziel ist somit Ressourceneinsparung durch verstärkten Einsatz recyclingfähiger Materialien.
H) Entsorgung
Können Materialien und Bauelemente nicht mehr im Nutzungskreislauf gehalten werden, werden sie mittels Deponierung oder thermischer Verwertung (Verbrennung) entsorgt. Die Baummaterialien gehen dadurch für die Kreislaufwirtschaft verloren. Ziel ist somit zukünftig Ressourceneinsparung durch Reduktion der Verwendung nicht kreislauffähiger Bauweisen und Materialien.